Über Homophone und Homonyme

(Warum eine Geisel niemals männlich und ein weiblicher Zimmermann keine Zimmerfrau ist)

Homophone sind Wörter, die gleich klingen, aber verschieden geschrieben werden (Lärche – Lerche). Homonyme sind Wörter, die gleich klingen und gleich geschrieben werden. Beide kommen in den verschiedensten Sprachen vor, auch in solchen, die nicht mittels Buchstaben, sondern Zeichen zu Papier gebracht werden. So ist z.B. im Chinesischen das Schriftzeichen für Chaos und jenes für Chance identisch. Da im Deutschen die Wörter meist länger als in der französischen oder englischen Sprache sind (1), ist die Zahl der Homonyme kleiner, aber es gibt doch einige.

Die präzise (2) deutsche Sprache hat aber einige Möglichkeiten, trotzdem zu unterscheiden:

 

 

Damit sind wir beim zweiten Teil des Untertitels. Die germanische Wortsilbe „man“, die im heutigen Deutsch noch in „jemand“ (ein Mensch), „niemand“ (kein Mensch) und „man“ (alle Menschen) zu erkennen ist, bedeutete „Person“ oder „Mensch“. Daraus bildete sich Mann im Sinne von „männlicher Mensch“ und (meist im zweiten Teil eines zusammengesetzten Hauptwortes) „-mann“ im Sinne von Person.
Im ersten Fall lautet die Mehrzahl „Männer“, im zweiten „Leute“. Daher ist die Mehrzahl von „Zimmermann“ nicht „Zimmermänner“, sondern „Zimmerleute“. Dasselbe gilt für „Tormann“, „Feuerwehrmann“, „Hauptmann“ etc. Besonders deutlich wird das im heutigen Englisch: Eine „woman“ ist kein weiblicher Mann, sondern ein weiblicher Mensch.
Deshalb ist auch ein weiblicher Landeshauptmann keine „Landeshauptfrau“ (3), wie populistische Politiker im Verein mit E.T. (4) formulieren.

 

Und nun zum ersten Teil des Untertitels. Ein häufiger Fehler Sprachschwacher ist die Verwechslung des grammatikalischen mit dem natürlichen Geschlecht. Die Geisel kann männlich sein, grammatikalisch ist sie immer weiblich. Der Obmann kann weiblich sein, grammatikalisch ist er immer männlich. Und das Mädchen ist selbstverständlich keine Sache.


(1) Die komplizierte Schreibweise im Französischen ist eine Folge davon. So werden die Wörter „haut“, „eau“ und „ô“ gleich ausgesprochen.
(2) Ein Beispiel für die Präzision der deutschen Sprache ist die Schreibweise der Straßennamen. Ist eine Straße nach einer Frau oder einem Herrn Wiener benannt, so wird sie „Wienerstraße“ geschrieben. Führt sie aber dorthin, schreibt man „Wiener Straße“. Die Schreibweise „Währingerstraße“ ist daher falsch.
(3) Ein orientalischer Pascha hat eine Hauptfrau und mehrere Nebenfrauen. Hauptfrau eines ganzen Landes zu sein, dürfte – abgesehen vom moralischen Aspekt – sehr anstrengend sein.
(4) E.T. („extra terrestials“) = Außerirdische, die völlig andere Sorgen als wir Menschen haben. Z.B. erscheint ihnen wichtig, in der größten Wirtschaftskrise der letzten Jahrzehnte den Text unserer Bundeshymne zu thematisieren, weil sie im Unterschied zu Frau von Preradović nicht wissen, was eine Metapher ist. Daher könnte man E.T. auch anders deuten.